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Biker sind nicht so attraktiv wie sie scheinen – what?!

Posted by Darco Cazin on May 06, 2019
Darco Cazin
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Dr. Roland Zegg, Inhaber und Geschäftsführer von grischconsulta AG, verkündete beim letztjährigen Ride-Kongress in seinem Vortrag, dass die Zielgruppe der Mountainbiker nicht so attraktiv ist, wie sie oft dargestellt wird. Dies sorgte für Rumoren, wie ich in der anschliessenden Pause feststellen konnte. Ich hingegen fand seinen Vortrag brilliant! Meiner Meinung nach, ist sein Statement der Mountainbikebranche dienlich und Herr Zegg wurde von vielen einfach nur missverstanden.

 

Seit vielen Jahren berät Zegg Bergbahnen im Alpenraum. Und aus der Perspektive seiner Kundschaft ist sein Statement zu verstehen. Während seiner Präsentation hat er anschaulich aufgezeigt, wie sich die Bergbahnbranche in den Alpen grundsächlich entwickelt hat. Er hat erörtert, wie Kapazitäten erhöht wurden, während der Skimarkt stark rückläufig ist. Im Anschluss rechnete er im „Milchbüchli“-Verfahren vor, wie mit Mountainbikern ein Geschäft gemacht werden kann. Viele Zuhörer verstanden die Botschaft so, dass Herr Zegg verkünde, der Mountainbike-Tourismus sei ohne Potenzial. Für mich ist aber hervorgekommen, dass er das Potenzial sieht, jedoch auf die Perspektive der Bergbahnen aufmerksam macht. Denn diese hält bei der Euphorie nicht durchs Band mit. 

 

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Strukturprobleme der Bergbahnen
Der Mountainbike-Tourismus wird die Strukturprobleme des alpinen Tourismus, auch die der Bergbahnen, nicht lösen. Das ist eine Tatsache! Das Bergbahngeschäft in den Alpen ist mit einem Überangebot konfrontiert: Das Angebot ist grösser als die Nachfrage. Fast zwei Drittel aller Bergbahnen kann sich nicht durch ihren Betrieb finanzieren. Sie überleben dank öffentlichen Geldern, Subventionen, Gönnern und weiteren Zuschüssen. Wollte man die grundsätzlichen Strukturprobleme lösen, müsste man den Markt frei spielen lassen. Ohne die Geldzuschüsse würden in der Konsequenz gewisse Betriebe eingehen und ein Teil der Infrastruktur zurück gebaut werden. Dieses Problem kann der Mountainbike-Tourismus nicht abfangen. Und es wäre vermessen, es zu erwarten.


Wertschöpfung
Die Bergbahnen sind in den meisten Alpendestinationen nicht die grössten Investoren in Mountainbike-Tourismus. Des weiteren sind die Bergbahnen nicht Hauptnutzniesser des Mountainbike-Tourismus. Die grösste Wertschöpfung entsteht primär bei den Logiernächten in der Hotellerie, sekundär in der Gastronomie und erst dann bei den Transportunternehmen. Dazu gehören nicht nur die Bergbahnen sondern auch die öffentlichen Verkehrsmittel. An vierter Stelle ziehen die Dienstleister wie Guiding, Shops, etc. ihren Vorteil. Die Bergbahnen sind also bei weitem nicht die Hauptprofiteure der Wertschöpfung des Mountainbike-Tourismus.

 

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Lebenszyklus eines Trails
In Zeggs Milchbüchleinrechnung muss dazu noch ein entscheidender Faktor auf der Kostenseite einfliessen. Die Gesamtkosten über den Lebenszyklus eines Trails bestehen vor allem aus den jährlichen Unterhaltskosten. Und diese hängen direkt von der Qualität der Erstinvestition ab, also vom Traildesign und vom Trailbau. In den Alpen gibt es Trail-Projekte, bei denen die Unterhaltskosten lediglich drei bis vier Prozent der Anfangsinvestition betragen. Die Kosten sind so tief, weil dafür zu Beginn etwas tiefer in die Tasche gegriffen wurde, um qualitativ hochwertige und nachhaltige Trails zu erstellen. Es gibt andere Beispiele, bei denen die Unterhaltskosten 20 bis 25 Prozent der Initialkosten betragen. Hier haben wir es mit einer ganz anderen Kostenstruktur im Lebenszyklus eines Trails zu tun. Wenn man diese Milchbüchleinrechnung also macht, lohnt es sich dies zu berücksichtigen.

 

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Andere Perspektiven verstehen
Nach Dr. Roland Zegg’s Präsentation hörte ich in der Pause Befürchtungen wie: „So schrecken wir Bergbahnen ab, in den Mountainbike-Tourismus zu investieren.“ Ich denke, dass diese Angst so pauschal unbegründet ist. Zegg hat einfach eine gute Einschätzung zur Stimmung bei den Bergbahnen gegeben – und es kann nur helfen, sich dessen bewusst zu sein. Die Realität zeigt: Es gibt viele Beispiele – Sölden, Arosa Lenzerheide – bei denen sich die Bergbahnen essenziell an der Entwicklung des Mountainbike-Tourismus beteiligen und diese vorantreiben. Und es gibt auch viele Beispiele, in denen die Bergbahnen nicht als Treiber des Mountainbike-Tourismus auftreten. Diesen Bergbahnen die Verantwortung für die Entwicklung des Mountainbike-Tourismus von extern „aufzubrummen“, kann kein guter Ansatz sein.

Oftmals hilft es, sich in den Sattel des Gegenübers zu setzen, um dessen Perspektive zu verstehen und selbst zu erfahren, wo es zwickt ;-)

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